Thomas Voigt
Official Website of Thomas Voigt, filmmaker and author

Music History

Karajan vs. Furtwängler

Ein Politikum im „Dritten Reich“

Meist nannte Furtwängler ihn nicht beim Namen, sondern sprach nur von „Ka“ – vor allem, wenn er Schlechtes argwöhnte. Wie im Sommer 1953, als er sich wieder einmal dem Vergleich mit Karajan ausgesetzt sah. War es Zufall oder schlechtes Karma, dass beide in der Festspielzeit 150 Kilometer voneinander entfernt Mozarts Don Giovanni präsentierten? Furtwängler in Salzburg, und Karajan in München, mit einem Gastspiel seiner Scala-Produktion. Und in beiden Fällen sang Elisabeth Schwarzkopf die Partie der Elvira.

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Essay

Mit den Augen hören, mit den Ohren sehen

Sind Sehen und Hören in der Oper „kompatibel“?  

In seinem Buch Eine Anthropologin auf dem Mars beschreibt der New Yorker Neurologe und Schriftsteller Oliver Sacks den Fall eines jungen Mannes, der durch einen Hirntumor erblindet ist und sein Kurzzeitgedächtnis verloren hat. Beides ist ihm nicht bewusst.

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Essay

Perfektion und Persönlichkeit

„Wir müssen die Unverwechselbaren finden, die uns aufhorchen lassen, die wir sehen, wenn wir die Augen schließen.“ Was August Everding vor vielen Jahren beim ersten Durchgang des Wettbewerbs Neue Stimmen sagte, hat heute mehr Dringlichkeit denn je. Je stärker die Folgen von Internationalisierung und Globalisierung unseren Alltag bestimmen, desto größer wird die Sehnsucht nach dem Individuellen und Einzigartigen.

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Recordings

Desert Island Verdi

629 Gesamtaufnahmen von Verdi-Opern – welche muss man haben? Für den langen Aufenthalt auf der einsamen Insel hatte ich vor langer Zeit mal eine Auswahl getroffen, der Text wurde im FonoForum 2.2001 veröffentlicht. Seither sind kaum noch Studio-Aufnahmen von Verdi-Opern produziert worden, doch wurde die Aida-Diskographie 2015 durch Antonio Pappano und seine Sänger bereichert. Im Sommer 2019 haben Pappano und Jonas Kaufmann den Otello aufgenommen, die Veröffentlichung ist für Frühjahr 2020 geplant.

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Recordings

Kunst der Kompensation

Welche Aufnahme von Wagners Tannhäuser?

veröffentlicht in: FonoForum 5.2013

Wagners oft zitierter Spruch, er sei der Welt noch einen Tannhäuser schuldig, sagt schon alles: weder gibt es eine Fassung des Werkes, mit der man restlos glücklich werden könnte, noch eine Aufnahme. Ein Tannhäuser für die einsame Insel? Das wird schwierig.

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Music History

Der Frauenversteher

Richard Strauss, Pauline und seine Sängerinnen

Viorica Ursuleac und Richard Strauss nach der Uraufführung von Capriccio

“Er nimmt ihr zwei Arien weg, Ihnen keine Note! Verraten Sie mich nicht!“, beruhigt der Musiklehrer den Star-Tenor. Und sobald dieser außer Hörweite ist, raunt er der Primadonna zu: “Er nimmt dem Bacchus die halbe Rolle – lassen Sie sich nichts merken!”.

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Music History

Die späte Karriere eines Schmerzenskindes

Zur Aufführungsgeschichte der Frau ohne Schatten

Warum brauchte Die Frau ohne Schatten wesentlich länger als Elektra, Der Rosenkavalier und Ariadne auf Naxos, um sich international in den Spielplänen zu behaupten? Warum wurde sie in den ersten Jahrzehnten ihrer Existenz selbst von Strauss-Fans eher geschätzt als geliebt?

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Recordings

Das Wunder der Verwandlung

Nicht nur als Oper in der Oper ist Ariadne auf Naxos ein absoluter Sonderfall, erfordert dieses einmalige Konstrukt aus der Werkstatt von Strauss-Hofmannsthal von seinen Interpreten doch ein besonderes Gespür für darstellerische Details. Welche Aufnahmen besonders empfehlenswert sind, erfahrt ihr einem Beitrag, der im FonoForum 6.2014 veröffentlicht wurde.

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Music History

Warum der Kult um Tenöre?

„Wisst ihr denn nicht, dass der Tenor kein Wesen von dieser Welt ist? Er ist eine Welt in sich.“

Was Hector Berlioz lange Zeit vor der Erfindung der Schallplatte formulierte, wurde im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit von Musik mehr als bestätigt. Nicht die legendäre Adelina Patti oder der Belcanto-Baß Pol Plancon waren es, die den Beginn der Schallplatten-Ära begründeten, sondern Enrico Caruso.

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in Memoriam

Lisa Della Casa

Lisa Della Casa als Arabella, Salzburg 1958

Beruf und Privatleben waren bei ihr strikt getrennt: Auf der Bühne war sie die Diva, strahlend schön und unnahbar. Privat lebte sie über 60 Jahre mit Ehemann und Tochter in ihrem Schloß, total abgeschottet von der Außenwelt. Nur einmal, vor ihrem 90. Geburtstag, durfte ein Filmteam sie besuchen. Thomas Voigt erinnert sich an seine Begegnungen mit Lisa Della, die am 10. Dezember 2012 im Alter von 93 Jahren verstarb.

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Essay

Faszination Furtwängler

Ein Berliner Ehepaar in einem Furtwängler-Konzert. Nach den ersten Takten raunt die Frau ihrem Mann zu: „Sachste mir Bescheid, wann er zu faszinieren anfängt?“ – Diese Anekdote sagt vielleicht mehr über den „Mythos Furtwängler“ als eine umfassende Analyse seiner Persönlichkeit und Wirkung. Was war das Faszinierende an Furtwängler, was war bei ihm anders als bei anderen Dirigenten? Vor allem drei Dinge: Der unverwechselbare Klang, der organische Fluß im Spiel der Musiker und die Spontaneität des Musizierens.

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Recordings

Maria Callas und EMI

EMI Produzent Walter Legge und Maria Callas

Rom 1951. Walter Legge, Produzent bei Columbia (später EMI) und einer der einflussreichsten Männer im Platten-Business, hört in der Oper Bellinis Norma mit Maria Callas. Nach der Vorstellung ruft er seine Frau an, ihn sofort in einer ganz wichtigen Angelegenheit zu treffen. Doch diese lehnt ab: Sie hört gerade im Radio eine Sendung mit Arien einer gewissen Maria Callas, und keine zehn Pferde können sie vor dem Ende der Sendung wegbringen.

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Editorials

Mondän!

Editorials zu schreiben fand ich meist knifflig, muss man doch für jede Ausgabe auf Seite 3 einen Türöffner finden, und da kann man oft lange suchen. Aber manchmal gibt es Steilvorlagen – wie vor vielen Jahren einen Marketingtext von . Es ging um die Einführung einer neuen CD-Serie für Yuppies mit dem Titel mondän. Und der Text schrie geradezu nach einem Editorial (veröffentlicht im FonoForum 10.2001):

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Recordings

Götterdämmerung vor Gericht

Ein Sonderfall in der Geschichte der Bayreuther Nachkriegs-Aufnahmen: 48 Jahre lang hatte der Mitschnitt der ersten Götterdämmerung Neu-Bayreuths auf Eis gelegen, dann wurde er endlich auf dem Label Testament veröffentlicht, stieß auf überall auf große Resonanz, erhielt von der renommierten Plattenzeitschrift Gramophone sogar einen Special Achievement Award – und musste 18 Monate später wieder vom Markt genommen werden.

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Recordings

Rätsel um Jenufa

Es gibt historische Aufnahmen, bei denen man wahrscheinlich nie ganz wird klären können, unter welchen Bedingungen sie zustande kamen. Zu diesen Dokumenten gehört auch die Jenufa mit Trude Eipperle und Margarete Klose.

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Music History

„Spiel mir den Bohnen nicht an die Wand!“

Gespräche mit Josef Metternich

Im Deutschland der Wirtschaftswunderjahre war er der Inbegriff des Verdi-Baritons, Rudolf Bing holte ihn für italienische Partien an die Met. Er konnte mit der Verve eines italienischen Tenors schmettern und im nächsten Moment das schönste Piano verströmen. Im deutschen Repertoire verband er Expressivität mit „italienischem“ Legato, und noch heute gelten seine Wagner- und Strauss-Aufnahmen als vorbildlich.

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